Mit Religion und Vernunft eine neue Aufklärung

Ich lese gerade die Überlegungen von Pankaj Mishra, der gestern mit Juncker das Forum Alpbach eröffnete. Er wendet sich gegen die Fetischierung der alten Aufklärung und erinnert an Václav Havel, der meinte, dass eine aufrichtige, tiefgreifende und dauerhafte Veränderung hin zum Guten nicht mehr aus dem Sieg eines bestimmten traditionellen Konzepts resultieren könne. Er meinte, dass eine solche Veränderung von der grundlegenden Neupositionierung der Menschen in der Welt, ihrer Beziehung zu sich selbst, zueinander und zum Universum herrühren müsse. Mishra: Aber wenn die Aufklärung „der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ war, dann ist diese Aufgabe, diese Pflicht, wie Kant schreibt, nie erfüllt; jede Generation muss sie unter wechselnden politischen und kulturellen Umständen erneut wahrnehmen, so wie es die Improvisatoren und Innovatoren der europäischen Nachkriegszeit vorgezeigt haben. Die Aufgabe derjenigen, die die Freiheiten der Aufklärung schätzen, besteht darin, diese Freiheiten neu zu denken – in unseren unwiderruflich durchmischten und extrem ungleichen Gesellschaften, in der weiteren, eng verflochtenen Welt – mittels eines Ethos der Kritik, gepaart mit Mitgefühl und grenzenloser Selbsterkenntnis. Nur dann können wir wirklich behaupten, aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit herausgekommen zu sein.

Pankaj Mishra: Wir brauchen eine neue Aufklärung  aus: Standard, 20.8.2016

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