Gab Judas den Messias-Kuss?

Messiaskuss?

Judas küsst Jesus.

Der Judaskuss wurde in der Christenheit als Akt des Verrates gesehen. Judas soll die Verhaftung Jesu durch die Tempelbehörden aus niederen Beweggründen unterstützt haben. Er soll geldgierig gewesen sein, weil er dreißig Silberlinge von den Hohen Priestern bekommen hatte. Daraus wurde von einigen entgegen Jesu Intention ein Antijudaismus konstruiert. Darauf weist der katholische Theologe Wolfgang Treitler von der Universität Wien hin. Die andere Überlegung besagt, dass Judas ein heißblütiger Zelot war, der einen Aufstand gegen die Römer mit Hilfe eines politischen Messias machen wollte. Dafür spricht, dass er den Beinamen Iskariot hatte, den man mit Schwertträger übersetzen kann. Auch hätte die Tempelwache auch ohne Judas wissen können, wo sich Jesus aufhält, wie der israelische Schriftsteller Amos Oz in seinem neuen Roman mit dem Titel „Judas“ anfragt. Neu ist für mich der Hinweis von Wolfgang Treitler auf den Kuss, der in der damaligen Zeit als Messias-Kuss gedeutet werden konnte. Es gibt ja den 2. Psalm, wo Gott zu seinem Sohn spricht: „Heute habe ich dich gezeugt. Fordere von mir, und ich gebe dir die Völker zum Erbe.“ Zu den Königen, den Herrschern der Erde, spricht Gott: „Küsst ihm mit Beben die Füße.“  (Psalm 2)  Dieser Kuss der Unterwerfung ist ein Geste gegenüber dem neuen Herrscher der Welt, dem Messias, der wie der König David die Siege mit Gottes Hilfe erringt. Gott sagt zu seinem Messias: „Du wirst sie (die Völker) zerschlagen, mit eiserner Keule, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.“ Diesen Krieg lehnt Jesus voll ab und verkündet ein sanftes Wachsen des Gottesreiches. Judas hingegen hat das anscheinend nicht nachvollziehen können. Er verriet nicht Jesus, sondern seine Botschaft. Er wollte anscheinend Jesus in die Rolle des kriegerischen Messias drängen. Ob Judas den Messias-Kuss auf die Füße von Jesus gegeben hat? Wir wissen es nicht. Aber der Messiaskuss ist von den Christinnen und Christen nach der Auferstehung und nach Pfingsten als heilige Umarmung praktiziert worden, wie uns Paulus und Petrus berichten. Nicht ein Kuss der Unterwerfung, sondern ein Kuss der Liebe. (Römer 16,16, 1 Korinther 16,20, 2 Korinther 13,12, 1 Thessalonicher 5,26, 1Petrus 5,14).  Die Christinnen und Christen sahen sich mit diesem neuen gewaltlosen Messias Jesus gestorben und auferstanden. Judas war nach der misslungenen Inszenierung eines politischen Aufstandes verzweifelt und erhängte sich. Er ist die tragische Gestalt dessen, der die sanfte Liebe Gottes nicht erkannte.
Jesus hat aber auch ihn erlöst.
ORF Wolfgang Treitler: Judas
Amos Oz: Judas
Detlev Fleischhammel: Der „heilige Kuss“ PDF
Prophecies of the Messiah
Heavy-Rock-Band Messiah’s Kiss

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