Atheisten und Christen lesen die Nachfolge Christi

Auguste Comte

Auguste Comte

Der Atheist Auguste Comte gab seinen Anhängern den Rat, es ihm gleich zu tun und „Die Nachfolge Christi“ zu lesen. Diese Schrift des Thomas von Kempen gebe seiner neuen Religion das Feuer, das zur „Herzensbildung“ beiträgt. Man müsse nur den Begriff „Gott“ mit „Menschheit“ ersetzen. Die liberalen Protestanten und die an einen fernen Gott glaubenden Deisten wollen in seinen Augen die Religion mit Hilfe von Gott abschaffen. Er hingegen wolle im Namen der Religion Gott abschaffen. Dabei erkannte er zu Recht, dass „Die Nachfolge Christi“ des Augustiner Chorherren Thomas von Kempen das Feuer der Religion in sich trägt, sich aber auch mit der moralischen Natur des Menschen beschäftigt und zur „Herzensbildung“ beiträgt.

Jesus Christus, der Sohn Gottes

Jesus Christus, der Sohn Gottes

Thomas von Kempen hat eine Beziehung zu einem Gott, der zu den Menschen als Mensch kommt. Gott wird ein Bruder, der mit den Menschen geht. Ganz anders die Deisten. Sie sind einer Theologie des vollkommen transzendenten Gottes verfallen, der in dieser Transzendenz bleibt und nur mit Hilfe seiner (Natur-)Gesetze einiges regelt. Sie feiern vielleicht Weihnachten, aber glauben nicht, dass Gott Mensch und unser Bruder geworden ist.

Deisten und Atheisten haben keine Beziehung zu Christus, den Sohn Gottes und kennen ihn nicht. Sie würden ihn kennen, wenn sie eine Freundschaft zu ihm aufbauen würden. Ein Medium dazu wäre die Schrift „Die Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen.

Wer mir nachfolgt, geht nicht in der Finsternis – mit diesen Worten beginnt die Nachfolge Christi.

Imitatio Christi

Imitatio Christi

Viele haben sich mit der Nachfolge Christi intensiv beschäftigt. Der Liedermacher Konstantin Wecker schrieb eine Einführung zum Werk des Thomas von Kempen, John Wesley und John Newton schrieben ihr einen Einfluss auf ihre Bekehrung zu, die Jesuiten gaben der Nachfolge Christi einen Platz in ihren Exerzitien. Franz von Sales vertrat die Meinung, dass die Nachfolge Christi „schon mehr Menschen heiligte als es Buchstaben hat“.

Gottfried Wilhelm Leibnitz bezeichnete es als eines der vortrefflichsten Werke, die je verfasst sind, und pries den selig, der nach dem Inhalt dieses Büchleins lebt.

Es ist vermutlich das nach der Bibel am weitesten verbreitete Buch des Christentums. Es gibt mehr als 3000 verschiedene Ausgaben, davon allein 1000 im British Museum. Es soll allein 545 lateinische und etwa 900 französische Ausgaben geben. Es ist das bis heute häufigste in allen Kultursprachen gedruckte Werk (rund 750 Handschriften, weit über 1.000 gedruckte Ausgaben in etwa 100 Sprachen).

Thomas Hemerken von Kempen 1380-1471

Thomas Hemerken von Kempen 1380-1471

Adalbert Stifter verarbeitet das Werk in seinem wunderbaren Roman „Der Nachsommer“. Nikolaus Kues schätzte Thomas so sehr, dass er zu ihm extra nach Kempen reiste, um ihn zu besuchen. Dietrich Bonhoeffer hat sich beim Schreiben seines Buches »Nachfolge« inspirieren lassen, er schwärmte sogar einmal von der »Schönheit des Textes«, die er bei der »Nachfolge Christi« des Thomas von Kempen vorfand. Er hat das Buch geschätzt und – wie der katholische Märtyrer Alfred Delp – bis zu seinem Tod bei sich getragen. Auch UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld, Mystiker, Protestant und Friedensnobelpreisträger von 1961, war zutiefst von Thomas von Kempen beeinflusst, genauso Papst Johannes XXIII., der das Buch regelmäßig in die Hand nahm.

Die besten deutschen Übersetzungen aus dem Lateinischen sind von Johann Michael Sailer (Reclam) und von Wendelin Mayer (Butzon & Bercker).

Über dem Grab von Thomas Kempen steht: Nirgends finde ich sichere Ruhe als in meinem Zimmer mit dem Buch und Christus.

Links:
Wikipedia
Thomas-Archiv
Seiten von Peter Busch
Thomas in Kempen

Thomas von Kempen Die Nachfolge Christi Buch 1-3

Quelle: Wolf Lepenies, Auguste Comte, Die Macht der Zeichen, Edition Akzente, Hanser, München 2010


2 Antworten zu “Atheisten und Christen lesen die Nachfolge Christi

  1. Danke für den schönen Text über von Kempen. Ich bin begeistert von seiner Sprache und seiner Wirkung auf mich. Warum bringt die sog. Moderne nicht solche Texte zustande?

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    • Auch die Übersetzungen sind gediegen. Obwohl schon 1794 herausgegeben, ist die Übertragung von Bischof Johann Michael Sailer durch ihre Flüssigkeit einer der besten. Ich habe eine Ausgabe von 1923 mit Holzschnitten, die sehr handlich ist. Die Übersetzung des Franziskaners P. Wendelin Mayer OFM (1959) ist dafür genauer am Urtext. Die französische Übersetzung von Pierre Corneille, der 1651 eine dichterische Paraphrase schuf, wird von allen, auch von Auguste Comte, sehr gelobt.

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