Aufruf zum Gehorsam! Zwei Aufrufe

In der katholischen Auseinandersetzung um den Pflichtzölibat gibt es neuerdings einen Aufruf zum Gehorsam als Reaktion zum Aufruf zum Ungehorsam. Beiden geht es um das Verhalten gegenüber Bischöfen, dem Papst und der römischen Kurie. Ursprünglich war der Gehorsam bei Jesus aber ein Gehorsam gegenüber Gott, wie eine Geschichte erzählt

Jesus fragte die Priester, was sie zu dieser Geschichte sagen: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Er sagte zum einen: „Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!“ „Ich will nicht“, erwiderte der Sohn; später aber überlegte er es sich und ging doch. Dasselbe sagte der Vater auch zu seinem anderen Sohn. „Ja, Herr“, antwortete der, ging aber nicht.

Jesus fragte: „Wer von den beiden hat nun nach dem Willen des Vaters gehandelt?“ „Der Erste“, antworteten sie. Da sagte Jesus: „Ich versichere euch: Die Zolleinnehmer und die Prostituierten werden eher in Gottes Reich kommen als ihr. Der Täufer Johannes ist gekommen und zeigte euch, was ihr jetzt tun müsst, um Gottes Willen zu erfüllen; aber ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zolleinnehmer und die Prostituierten haben ihm geglaubt! Aber ihr – nicht einmal als ihr das saht, habt ihr euch besonnen und ihm Glauben geschenkt.“ (Matthäus 21,28-32)

Es geht um den Glauben der Menschen. Einige sagen, dass sie glauben und handeln aber nicht. Einige weigern sich zu glauben und tun es dann trotzdem. Gehorsam ist bei Jesus der Glaube an Gott und nicht der Gehorsam gegenüber dem Petrus. Es geht ihm darum, dass der Wille des himmlichen Vaters erfüllt wird.

Bei dem einen Aufruf von Kaplan Markus Doppelbauer geht es um den Willen des Papstes in Rom, der erfüllt werden soll und im anderen Aufruf der Pfarrerinitiative (Helmut Schüller) geht es um das Gewissen, dem gefolgt werden soll. Der katholische Christ denkt sich: Ich habe ein Gewissen, ich habe einen Papst in Rom, ich glaube an Jesus Christus und den Heiligen Geist – da kann ich ja ganz zufrieden sein. Wenn nicht der Papst die Zolleinnehmer, die  Prostituierten und die Geschieden-Wiederverheirateten von der Kommunion ausschließt. Aber das macht er nicht. Er liebt ja Jesus. Warum also die ganze Aufregung?

4 Antworten zu “Aufruf zum Gehorsam! Zwei Aufrufe

  1. Nach meinem Wissen ist es offizielle Lehre der römisch-katholischen Kirche, dass geschiedene Wiederverheiratete von der Kommunion ausschlossen sind. Es gibt natürlich Bischöfe, die den Priestern gestatten, bei Beichte und Kommunion nach ihrem Gewissen zu entscheiden, d.h. sie zuzulassen. Das darf aber nicht öffentlich gesagt werden. Gegen diese Art von Doppelspiel wehrt sich der Aufruf zum Ungehorsam. Es soll alles offen und ehrlich geschehen. Das würde bedeuten, die offizielle Linie der römisch-katholischen Kirche zu ändern und sie z.B. dem anzupassen, was in der orthodoxen Kirche der Brauch ist.

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  2. Eine Frage: Ist es auch den mit Rom unierten Orthodoxen Christen erlaubt, ein zweites Mal zu heiraten? Das wäre doch interessant.
    Ups, da hab ich was gefunden: Unierte Regelung
    Orientalischer Codex

    Eine zweite Frage: Ist der Papst in diesen Fragen Jesus Christus und dem Heiligen Geist gegenüber gehorsam? Wie kann man das erkennen?

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  3. Selbst wenn es bei den Orthodoxen die Möglichkeit mehrerer Eheschließungen gibt (obwohl der Partner nicht gestorben ist), wäre das kein Argument dafür, dass es Gottes Wille ist.
    Gottes Gebot lautet: Du sollst (wirst) die Ehe nicht brechen. (2. Mose 20,14).
    Christus konkretisiert dieses Gebot und erklärt, was der Vater damit meint:
    „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.
    Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ Mt 5,27f
    und:
    „Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben.
    Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.“ Mt 5,31f
    In der röm.-kath. Kirche ist es so, dass derjenige, der zur Kommunion geht, also Christus selbst empfängt, reinen Herzens sein soll (im Stand der Gnade). Sonst soll er bevor er das (Mess)opfer feiert, zuvor hingehen sich mit Gott (Beichte) und dem Nächsten versöhnen, was auch die Buße und Wiedergutmachung einschließt. (vgl. 1 Kor 11,27 – 29)
    (Dazu sind „wiederverheiratete Geschiedene“ aber leider meist nicht bereit.)
    Die Kirche (Papst, Bischöfe) folgen also ohne Zweifel dem Willen Gottes.
    Glaube an und Gehorsam gegenüber Gott stimmen überein mit dem Gehorsam gegenüber der Kirche und bem Papst in Rom: eben weil sie Gottes Willen gehorchen.

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  4. Die katholische Kirche kennt sehr wohl die Auflösung einer gültig geschlossenen Ehe. Es sind dies die Privilegien Petrinum und Paulinum. Auch im Evangelium heißt es: Was ihr auf Erden löst, wird im Himmel gelöst sein (Mt 16,19 und Mt 18,18). Das heißt, die katholische Kirche, kann, wenn sie will und sie sich vom Heiligen Geist geführt sieht, eine gültig geschlossene Ehe auflösen!

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