Weint über Jerusalem!

Die letzten Stunden von Jesus vor seinem Tod waren geprägt von einer Dramatik, die sich nicht nur zwischen den römischen Soldaten und Jesus abspielte, sondern auch zwischen ihm und seinem göttlichen Vater und zwischen ihm und den Bewohnern von Jerusalem.

Für die Folterknechte betete Jesus: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ Sie sind verblendet und agieren in der Ideologie des Bösen, des Teufels, der Sünde. Trotzdem sind sie auch verantwortlich. Sie können umkehren, sollten sich zum guten Gott wenden. Dass sie das nicht tun, sieht man in der Szene mit den weinenden Frauen, die Jesus auf dem Weg zu seiner Kreuzigung trafen. Er bat sie: „Weint nicht über mich, sondern über (die Bewohner von) Jerusalem!“ Jerusalem sollte sich bekehren. Die Stadt steht für das Volk Israel, das umkehren soll. Wenn es sich nicht bekehrt, wird es sich selbst richten. Sie sagen dann: „Berge, fallt über uns!“

Die Bewohner von Jerusalem waren (wie die ganze Menscheit) Opfer des Bösen und der Sünde. So wie die Berge über sie fallen werden, so fielen das Böse und die Sünde über sie. Aber sie sind auch Täter. Sie selbst sagen: „Berge, fallt über uns.“ Sie selber richteten die Berge des Bösen auf. Durch ihr schlechtes Tun verhinderten sie das Kommen Gottes. Sie taten das Gegenteil dessen, wozu der damals sehr gut bekannte Jesaja aufforderte: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben.

Sie bauten keine Straßen für Gott, sondern Berge, sodass er nicht kommen konnte. Über diese Menschen galt es zu weinen. Sie waren verstrickt in das Netz der Sünde und blind für das Reich der Liebe. Sie hörten die Stimme von Jesus, aber ihr Herz war verschlossen.

Vielleicht ist das auch die Tragik von Judas. Er hörte die Worte der Bergpredigt, aber die Konsequenzen waren für ihn nicht vorstellbar: „Wenn dich einer zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei.“ Die Feindesliebe ist die Liebe zu den Gegnern, insofern sie Opfer der Sünde sind. Die Sünde ist ein mimetischer Zusammenhang, der alle erfasst. Alle ahmen die bösen Taten nach und übertreffen sich oft dabei.

Jesus war drauf und dran, diesen nachahmenden Zusammenhang aufzubrechen und für seinen göttlichen Vater eine Straße zu bauen. Er setzte alles auf eine Karte, die hieß: tragfähige Gottesbeziehung und speziell für ihn Vaterbeziehung, genauer Abba-Beziehung. „In deine Hände lege ich meinen Geist“ betete er am Karfreitag. Es war einerseits der Heilige Geist (hebräisch die Ruach), den er bei seiner Taufe im Jordan erhielt und andererseits sein eigener Geist, der voll Liebe zu seinem Vater und zu den Mitmenschen war. Diesen Geist schenkte er seinem Vater. Durch diese Liebe zu seinem göttlichen Vater gab er für uns Menschen einen Weg für unsere unendliche Sehnsucht frei. Unsere Sehnsucht hat dadurch eine erfüllende Hoffnung und geht nicht mehr ins Leere. Jesus schlug dadurch eine Schneise in eine Welt, die keine Sicht auf den gütigen Gott zuließ.

Eine Antwort zu “Weint über Jerusalem!

  1. Weint nicht über das irdische Jerusalem Sondern,
    Weint und bereut eure Sünden vor Gott,
    auf dass ihr am himmlischen Jerusalem Anteil habt sagt Gott!

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.