Die hoffnungsvolle Aufarbeitung der Missbrauchsfälle

Man kann zuversichtlich sein, dass durch die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle neue Sichtweisen in der Kirche sich durchsetzen:

  1. Die Sicht der Opfer: Es ist ein schmerzlicher Prozess, bis ein Opfer sexueller Übergriffe die Wahrheit sehen kann. Früher war diese lange Dauer ein Argument der Bischöfe für die Unglaubwürdigkeit des Opfers.  Heute wird von den Bischöfen immer betont, dass von den Opfern auszugegehen ist.  Ihnen ist zu glaubens, sie sind geschädigt und traumatisiert, sie müssen um Verzeihung gebeten werden und ihnen muss jegliche Hilfe zuteil werden. Die Bischöfe müssen mit ihnen reden.
  2. Die Transparenz ist herzustellen: Es kann nichts mehr vertuscht werden und es kann nicht mehr der Schwarze Peter der Gesellschaft, dem Teufel oder der sexuellen Revolution zugespielt werden.  Jetzt heißt es genau hinschauen und die Verantwortung wahrnehmen.
  3. Die Verantwortlichkeit liegt beim Klerus: Einerseits sind die Priester, die sich an Kindern und Unmündigen vergangen haben, verantwortlich für ihre Taten. Sie haben ein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt, das durch ihren Status herstellbar war. Andererseits sind die Bischöf verantwortlich, die die Opfer nicht ernstgenommen haben, denen der Corpsgeist wichtiger war die Priester in der Pastoral versetzt haben, obwohl sie wussten, dass der Priester Kinder missbaucht. Ein Rücktritt eines Bischofs ist da angebracht.
  4. Solide Untersuchung und Hilfe: Die Broschüre „Verhinderung sexuellen Missbrauchs“ der Erzdiözese Wien ist ein gutes Beispiel für eine hoffnungsvolle Aufarbeitung dieser Vorfälle: http://stephanscom.at/service/dokumente/verhinderungvonmissbrauch.pdf. Es werden klare Verhaltensanweisungen ausgearbeitet und auch Diözesangesetze geändert.
  5. Die Zeit des Pflichtzölibats ist vorbei. Es stimmt vielleicht, dass die zölibatär lebenden Priester und Ordensangehörigen weniger oft Kinder missbrauchen als andere Männer. Es kann sein, dass die Priester und Erzieher sich mehr an die Moral halten als andere. Aber die Täter geben immer wieder an, dass ihre Einsamkeit und ihre unerfüllten sexuellen und erotischen Gefühle sie zu dieser Tat brachten. Durch die Abschaffung des Pflichtzölibats, (den es in den katholisch unierten Kirchen ja auch nicht gibt), würden die Priester nicht unter der Einsamkeit und ihren unbefriedigten sexuellen Wünschen leiden.  Sie müssen ja auf ein Menschenrecht verzichten: Enweder sie verzichten auf das Recht auf Familie oder auf das Recht auf freie Berufswahl.
  6. Durch absolutistisches Entscheiden sind Bischöfe und Pfarrer überfordert. Für ihre pastoralen,  liturgischen und verkündigenden Vorgangsweisen sind sie nur ihrem Gewissen verantwortlich. Es gibt kaum ein von den Getauften gewähltes Gremium, das dem Pfarrer oder dem Bischof Entscheidungen abnehmen oder einen Kleriker wegen einer Verfehlung zur Rechenschaft ziehen kann.
  7. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Man kann viele gute Ansätze in den Diözesen erkennen: Regeln im Umgang mit Kindern und Unmündigen, Supervision und Teamarbeit und Kontrolle der Erzieher.  Diese genauen Untersuchungen werden aber auch die Zwänge und Überforderungen der Priester und Bischöfe aufdecken. Das ist jedenfalls schon viel auf dem steinigen Weg, den das Volk Gottes gehen wird.

Eine Antwort zu “Die hoffnungsvolle Aufarbeitung der Missbrauchsfälle

  1. Die Frage ist auch, ob eine Verjährung sinnvoll ist. Verjährung gibt es nicht bei Mord. Bei sexuellem Missbrauch kommt es zu bleibenden Schäden. Ist Verjährung dann trotztdem gerechtfertigt?

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